LLT Aktuell – Februar 2026

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Haushaltsrede der Liste Lebenswertes Tamm zum Haushalt 2026

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bernhard, sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates, sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger

Tamm steht 2026 an einem Scheideweg. Zwischen Pflicht, Prestige und Perspektive.

Es bewegt sich etwas in der kommunalen Finanzwelt, leider in eine Richtung die uns alle herausfordert.

Einnahmen sinken, Ausgaben bleiben stabil oder steigen weiter. Finanzielle Umverteilungen verändern sich leider oftmals zu Ungunsten unserer lebenswerten Stadt Tamm.

Kurz gesagt: Das Geld wird knapper.  Wir müssen die vorhandenen Mittel zukünftig noch bewusster und zielgerichteter einsetzen; jeder Euro muss dort wirken, wo er den größten Nutzen für unsere Bürgerinnen und Bürger bringt.

Dies ist keine Tammer Einzelsituation: Nein, viele umliegenden Städte und Gemeinden stecken noch in weitaus größeren und ausgeprägteren Haushaltsproblemen als unsere Stadt Tamm.

Uns trifft die Haushaltsschieflage nicht früher, aber auch nicht später, sie erreicht uns jetzt.

In den vergangenen Jahren wurden Tammer Haushaltsüberschüsse von manchen selbsternannten Finanzexperten als Erfolg gefeiert. Die LLT hingegen wurde für ihre frühzeitigen Warnungen kritisiert und als „Mahner“ abgestempelt.
Heute liegen die Zahlen schwarz auf weiß vor uns und sie bestätigen exakt das, was die LLT schon vor 2 Jahren vorausgesagt hat.

In seiner Haushaltsrede hat Herr Bernhard bereits sehr deutlich gemacht, dass wir uns auf finanzielle Einschränkungen einstellen müssen: Der sprichwörtliche Gürtel ist enger zu schnallen, neue Projekte sind nur sehr zurückhaltend anzugehen, gewohnte Leistungen sind zu überprüfen und zahlreiche Ausgabenposten sind kritisch zu hinterfragen.

Wir nehmen diese Aussagen sehr ernst und wir werden Sie, Herr Bürgermeister, beim Wort nehmen. Die kommenden Monate werden geprägt sein von notwendigen Priorisierungen, von Diskussionen über Verzicht und von Entscheidungen, die nicht immer populär sein werden. Aber gerade in Zeiten knapper Mittel kommt es darauf an, mit Verantwortung, Augenmaß und Transparenz zu handeln.

Bereits in der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses wurden erste Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung vorgestellt. Sie reichen vom Zurückfahren bestimmter Angebote über das Aussetzen oder Verschieben von Anschaffungen bis hin zum Verzicht auf einzelne, durchaus attraktive Wünsche. Dies wird uns als Gremium fordern. Auch der in der letzten VA-Sitzung angekündigte Ausschuss für „Einsparungen“ ist wichtig und sinnvoll.

Wichtig ist uns dabei eines: Wir müssen klar kommunizieren, warum wir welche Entscheidungen treffen. Und wir müssen darauf achten, dass Einsparungen sozial ausgewogen, nachvollziehbar und langfristig tragfähig sind. Kürzen um des Kürzens willen kann keine Lösung sein. Vielmehr geht es darum, die Leistungsfähigkeit unserer Stadt zu sichern und gleichzeitig die richtigen Schwerpunkte für die Zukunft zu setzen.

Eine Priorisierung der Ausgaben kann in einer Kommune klar strukturiert über eine Prioritätenmatrix nachvollziehbar erfolgen. Dabei geht es darum, zuerst das Notwendige zu sichern und erst dann das Wünschenswerte zu ermöglichen.

An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich bei Frau Yildiz für ihre überaus wichtige und engagierte Arbeit für unsere Stadt bedanken.

Gesetzliche Pflichtausgaben müssen finanziert werden und haben Vorrang vor allem anderen. Pflichtaufgaben mit Gestaltungsspielraum z.B Ausbau und Erhalt von Kitas, Standards bei Sanierungen und das Ausmaß der Grünpflege entscheidet das Gremium. Hier besteht bereits Einsparpotenzial, ohne die Aufgabe selbst zu streichen. Eine gute Priorisierung sollte transparent gerecht und nachvollziehbar sein. Die Botschaft an alle Bürger sollte lauten:

Die Stadt Tamm spart gezielt und verantwortungsvoll, und nicht nach der „Rasenmähermethode“. Unser gemeinsames Ziel muss bleiben, Tamm auch in herausfordernden Zeiten handlungsfähig, lebenswert und zukunftssicher zu gestalten. Die bald zum Zuge kommende KI in der Verwaltung ist dabei ein positiver Puzzlestein.

Zur Gewerbesteuer

Unsere Gewerbesteuer stellt eine der Haupteinnahmen unserer Kommune dar, deshalb lohnt es sich einmal in die Struktur der Gewerbesteuerzahler einzusteigen, und sich die Top 15 etwas genauer anzuschauen.

Unser bisher stärkster Gewerbesteuerzahler kommt – wie bekannt – aus der Automobilindustrie, dieser wird aber in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich weiterhin schwächere Gewinne erwirtschaften und somit wenig oder noch weniger Gewerbesteuer als 2025 an unsere Stadt bezahlen.
Ein positiv zu planender Posten sollte unser zweitbester Gewerbesteuerzahler bleiben. Eine Firma ebenfalls aus der Automobilbranche, die jedoch Ihre Erträge über Bank-, und Finanzgeschäfte generiert.
Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser zukünftig unser bester Steuerzahler werden wird. Diesen sollten wir auf dem Schirm haben.
 Ein Wort zu den Bankgeschäften, hier haben wir mit unseren regionalen Finanzinstituten zwei zuverlässige und kalkulierbare Gewerbesteuergrössen, die Jahr für Jahr und auch zukünftig sehr konstante Steuern liefern, und das in jeder vertretenen Kommune im ganzen Landkreis. Dies sollte man auch einmal löblich erwähnen.
Hierzu stehen die Gewerbesteuerzahler Nummer 3 , 4 und  5 jedoch in großem Abstand.
Große Einmalzahlungen, teilweise wegen Veräußerungen, wegen Umzügen in andere Kommunen oder Änderungen der Firmenstandortstrategie lassen wenig sichere Kalkulationen für Gewerbesteuereinnahmen für unsere Kommune  in diesem Jahr 2026 und in den folgenden Jahren zu. Diese Risiken, oder auch zu planende Negativeinnahmen im Auge zu behalten, sehen wir als sehr wichtig an und verstehen dies unter einer seriösen Haushaltsplanung.
Die Gewerbesteuerzahler 7 bis 12 sind unter dem Begriff – „Wichtiger Speck-Bauch“ – anzusiedeln, dabei handelt es sich vorwiegend um Mittelständler mit halbwegs stabilen kalkulierbaren, konstanten Beträgen. Unterm Strich sehr wichtig für Tamm.


Auch bei einer langsamen Erholung der Firmenerträge in den nächsten Jahren wird die Gewerbesteuer nicht schnell nach oben springen.
Viele Unternehmen werden zuerst in gestreckte und gestoppte Sanierungen investieren und somit Ihre Erträge im Betrieb halten müssen. Es wird einige Zeit dauern, bis die Firmen wieder grössere Gewinne ausweisen werden.
Schwarzmalen ist zwar sicher fehl am Platz, aber eine realistische Einschätzung hilft die richtigen Entscheidungen hier im Gremium und in der Verwaltung zu treffen.

Es wäre mühselig und nicht produktiv, hier nochmals alle möglichen Massnahmen für eine Konsolidierung des Haushaltes aufzuzählen.
Jeder kann sich  wöchentlich über die digitalen Medien oder über Zeitungen informieren, welche Maßnahmen und Einsparpakete unsere Nachbarkommunen vorschlagen und teilweise umsetzen. Ähnliches oder Gleiches kann auch für Tamm zur Geltung kommen.

Ein weiterer nachhaltiger Sanierungsschwerpunkt muss auch darin liegen, unsere laufenden Kostenstrukturen kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört der Mut, sich von Gebäuden im Stadtbesitz zu trennen, die dauerhaft Kosten verursachen und für die es keine zwingende kommunale Nutzung mehr gibt. Beispielhaft zu nennen sind hier das alte Feuerwehrgebäude in der Hauptstrasse, die Bücherei am Kelterplatz sowie Gebäude in der  Rathausgasse. Eine solche Konsolidierung schafft nicht nur finanzielle Entlastung, sondern eröffnet zugleich neue Perspektiven für eine sinnvolle Nachnutzung.

Insgesamt möchten wir den Ansatz unseres Bürgermeisters Bernhard in seiner Haushaltsrede ausdrücklich loben. Der Wille, „den Gürtel enger zu schnallen“, auf manch Liebgewonnenes künftig zu verzichten und freiwillige Leistungen in allen Bereichen auf den Prüfstand zu stellen, ist ein wichtiges und richtiges Signal. Entscheidend wird nun sein, die angekündigten Maßnahmen konsequent umzusetzen – auch wenn einige Schritte sicherlich schmerzhaft ausfallen werden.

Tamm hat viel Gutes, das verdient auch Anerkennung

In den letzten Tagen habe ich unsere Stadt mit offenen Augen erkundet und habe mir einmal genau die vielen verschiedenen Facetten und Infrastruktur angeschaut.

Es fallen  z.B. gepflegte Kreisverkehre, viele ordentliche Bushaltestellen und die zeitgemäßen Schulgebäude ins Auge. Neue Kindergärten, gut ausgestattete Sportstätten und schöne Spielplätze machen deutlich, wie lebenswert unsere Stadt ist. Auch die Bahnhofs- und Rathausareale präsentieren sich sauber  als  einladende Orte.

Hervorzuheben ist das Tammer Kultur- und Vereinsprogramm, das eindrucksvoll zeigt, wie lebendig und vielfältig Kultur sein kann. Von Konzerten über Theateraufführungen bis hin zu Ausstellungen bereichert es nicht nur unser tägliches Leben, sondern macht Tamm auch über die Gemeindegrenzen hinaus zu einer Kommune, die für ihre kulturelle Vielfalt geschätzt und beneidet wird.

Gerade hier zeigt sich, dass gute Ideen und engagierte Mitarbeitende, die sich der angespannten Finanzlage bewusst sind neue Wege finden können, etwa durch Kooperationen mit Sponsoren oder durch kluge Konzeptentwicklungen, die einen wichtigen Beitrag zur Sparsamkeit leisten können.



Die LLT-Fraktion möchte sich an dieser Stelle ausdrücklich bei Herrn Bernhard sowie bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung der Stadtgärtnerei, dem Ordnungsamt, dem Kulturbereich, dem Bauhof und bei den vielen fleißigen Helferinnen und Helfern bedanken.

Sie alle tragen täglich Verantwortung für eine gut funktionierende Stadt Tamm und leisten einen wichtigen Beitrag zu unserem Wohlbefinden als Bürgerinnen und Bürger, für unsere Vereine und für ein lebenswertes Tamm.

Zukunft – Entwicklung – Gewerbe

Gerade in Zeiten einer angespannten Haushaltslagen gilt es, Chancen für neue Wege aktiv zu nutzen. Ein wichtiger Schritt ist dabei die Erweiterung des Gewerbegebiets. Wir können nicht nur die Entwicklung bereits ortsansässiger Unternehmen fördern, sondern müssen auch innovative Betriebe nach Tamm locken,  um dadurch die wirtschaftliche Vielfalt und Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde langfristig zu stärken.

Einer mittelfristigen Erweiterung des Gewerbegebietes Bauhofring in Richtung Norden, stehen wir als LLT positiv gegenüber.

Auch das Gewerbegebiet Laiern am Rand unserer Gemarkung bietet einen  zukunftsweisenden Schritt für unsere Region. Wirtschaft, Industrie, Handwerk und Handel vor Ort sind entscheidend, um unseren Wohlstand nachhaltig zu sichern.

Die LLT ist offen neue wirtschaftliche Wege zu gehen, Altes zu hinterfragen und Neues zu wagen. Innovative Ideen, Technologien und Geschäftsmodelle mutig zu erproben, Chancen zu erkennen.

Unsere Zukunftsvision: Tamm 2030 digital, effizient, lebenswert.

Wir setzten uns für ein Tamm ein, das seine Haushaltsstabilität durch kluge Investitionen sichert, das als digitaler Vorreiter in der Region gilt, das Bürgernähe und Verwaltungskompetenz verbindet und das durch moderne Gewerbeflächen und smarte Energiepolitik neue Unternehmen anzieht, und seinen Kindern Bildung, Freiheit und Nachhaltigkeit bietet – ohne neue Schuldenberge.

Wir als LLT sind bereit dazu.

Bedanken möchten wir uns bei Herrn Bürgermeister Bernhard, dem gesamten Verwaltungsteam und allen Mitarbeitern für den Einsatz und die geleistete Arbeit. Mit dem Haushaltsplan legen wir trotz der angespannter Haushaltslage den Grundstein für eine zukunftsfähige Stadt Tamm

Die LLT Fraktion stimmt dem Haushaltsplan 2026 einstimmig zu.

Vielen Dank allen Beteiligten, natürlich allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, sowie Vereinen, Feuerwehr, DRK und kirchlichen Organisationen für das gute Miteinander.

Besonders möchten wir uns bei allen Verantwortlichen aus Verwaltung, Gemeinderat und der Bürgerinitiative für ihr unermüdliches Engagement gegen die Bebauung des Schanzackers bedanken.
Das Jahr 2026 kann ein entscheidendes Jahr werden, um die geplante Bebauung des Schanzackers endgültig zu den Akten zu legen.
Die LLT steht gemeinsam mit ihren drei verantwortlichen Vertretern aus der Bürgerinitiative weiterhin geschlossen gegen die geplante Bebauung des Schanzackers.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Es grüßt Sie

Wolfgang Günther
Fraktionsvorsitzender

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