LLT-Artikel 2022


Ausgabedatum: Freitag, 11. März 2022


Stadtwerke Tamm

Zeitenwende - Klimawandel - Energiequellen
Bundeskanzler Olaf Scholz sprach am 27.02.2022 in einer beeindruckenden Regierungserklärung, die inhaltlich von allen großen und wichtigen Fraktionen
des Bundestages mitgetragen wurde, von einer Zeitenwende in Deutschland. Unter anderem wurde hier auch die Energieversorgung unseres Landes angesprochen.

Die Bundesrepublik Deutschland bezieht aus Russland: 55% des Gas-, 50% des Öl- und 30% des Kohleimports. Diese einschneidende, einseitige Abhängigkeit
von russischen Lieferungen führt aufgrund der gegebenen geopolitischen Lage verstärkt zu Überlegungen, sich aus diesen Abhängigkeiten zu lösen.

Ferner zeigen die neuesten Erkenntnisse aus dem brandneu vorgelegten Weltklimaschutzbericht auf, dass ein enormer Veränderungsbedarf in der Nutzung
von Energiequellen besteht. Die Umsetzung der seit Jahren bekannten Empfehlungen zur Generierung und Nutzung erneuerbarer Energien ist demnach nicht mehr
aufschieb- oder abschiebbar.

Es muss landauf, landab vor Ort gehandelt werden. Naturkatastrophen auf Landes- bzw. Ortsebene können morgen auch uns betreffen. Wir erinnern hier nur
an das Glems- oder Enztalhochwasser in den vergangenen Jahren.

Klimaschutz wird nicht im Bund gemacht oder im Land, effektiver Klimaschutz, Klimaanpassung und eine nachhaltige Wirtschaft und Lebensweise werden
vor allem vor Ort umgesetzt.
Die besten Ziele im Bund oder Leitlinien zum Ausbau Erneuerbarer Energien im Land bringen nichts, wenn sie nicht vor Ort
umgesetzt werden können. Der wichtigste und effektivste Wirkungsbereich bei Klimaschutz und Klimaanpassung liegt deshalb in den Kommunen und bei jedem
Einzelnen.
In den Kommunen wird die maßgebliche Politik - im Sinne der Lebenswirklichkeit der Bürgerschaft vor Ort - entschieden.

Wer deshalb die Zukunft gestalten will, sollte sie vor allem in den Kommunen gestalten.

Allen vorgenannten Aspekten entsprechend hat sich Tamm in den vergangenen Wochen und Monaten zum Ausbau von zwei Wärmenetzen in Alt-Tamm und auf der
Hohenstange entschlossen. Wohlwissend, dass dies einer enormen Kraftanstrengung bedarf, aber einen hoffentlich nachhaltigen Weg hin zu einem Mehr an
absolut notwendigem Klimaschutz und zu immer mehr Unabhängigkeit von Fremdressourcen weist.

Zum Aufbau und zum Betrieb eines solchen Netzes hat Tamm eine eigene Gesellschaft in Form der Stadtwerke Tamm gegründet. Ziel dieses Unternehmens ist es,
den dringenden Anforderungen des Klimaschutzes langfristig, effizient, nachhaltig und mit Gestaltungsmöglichkeiten zu entsprechen.

In der Ausgestaltung seiner Aufgabenstellung und Zielverfolgung werden die Stadtwerke in unmittelbarer Zukunft in eine Konkretisierung eintreten.

Ausgabedatum: Freitag, 04. März 2022


Wärmenetze in Tamm auf der Hohenstange und im historischen Ortskern
Nah- und Fernwärmenetze bieten die Alternative zur herkömmlichen Wärmeversorgung mit Gas und Öl. Der Unterschied zwischen Nahwärme und Fernwärme ist wegen
der unterschiedlichen Netzausbreitung nur ein rein sprachlicher. Die Technik, die hinter beiden Systemen steckt, ist die Gleiche. Nah- bzw. Fernwärme vereint
ökologische Vorteile mit wirtschaftlichem Nutzen für die Anschlussnehmer.
Durch den Aufbau von Wärmenetzen mit "grüner Primärenergie" wird die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert und gleichzeitig die Versorgungssicherheit
erhöht. Die Wärmenetze stellen thermische Energie für Heizung und Warmwasser umweltfreundlich, effizient und oftmals durch eine Kraft-Wärme-Kopplung her und
liefern diese über Leitungen direkt an die Endverbraucher. Trotz hoher Investitionen gehen wir davon aus, dass diese Maßnahmen über einen längeren Zeitraum
entschieden zum Klimaschutz und damit zu einer lebenswerten Umwelt beitragen.
Noch sind Ressourcen von Gas und Öl in zeitlich begrenzter Menge vorhanden.

Abgesehen von Versorgungssicherheiten zwingen uns die schwindenden Ressourcen und der notwendige Klimaschutz zu einem Umdenken und zu neuen
Handlungsweisen auch bei jedem Einzelnen vor Ort.


Auf Landesebene ist es in den vergangenen 10 Jahren leider nicht gelungen, die Gewinnung von erneuerbaren Energien z.B. aus Solarzellen, PV-Anlagen und
Windkraftanlagen erheblich zu steigern. Von dem gesteckten Ziel, eine 10%ige Windenergie innerhalb des genannten Zeitraums zu generieren, konnten
nur 4,4% realisiert werden. Baden-Württemberg liegt hier im Bundesvergleich zu erneuerbaren Energien im hinteren Drittel. Eine zügige Veränderung wird
auch durch unseren sehr dicht besiedelten Mittleren Neckarraum deutlich erschwert. Umso mehr gilt das Bemühen aller, den entsprechenden Beitrag zur Erreichung
der prognostizierten Klimaziele zu forcieren und damit zur Reduzierung des CO² Ausstoßes entschieden beizutragen. Nur dann kann langfristig eine Energiewende
herbeigeführt werden.
Bundesweit sind bereits mehr als 3.000 Wärmenetze im Betrieb bzw. im Aufbau. Beispielhaft gibt es bereits in unserer Region Gemeinden und Städte, die auf
der Generierung von erneuerbaren Energien (EE) deutlich vorangeschritten sind. Drei Kommunen sollen hier exemplarisch benannt sein: Ilsfeld, Schönau und
Leutkirch, Orte, die ihre Primärenergien aus unterschiedlichen erneuerbaren Energien beziehen und entsprechende Wärmenetze mit Erfolg - teilweise autark - betreiben.
Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss jede Kommune einen ortsspezifischen Energiequellen-Mix bereitstellen. (Biogas, Erdgas, Hackschnitzel,
Abwärme aus Abwasser und Industriebetrieben, Solar-, PV (Photovoltaik)- und Windkraftanlagen, etc.) Dabei gilt es, die jeweilige optimalste Verfügbarkeit
unter Berücksichtigung günstiger Kostenstruktur zu ermitteln und darzustellen.
Die daraus resultierenden Ergebnisse müssen nachvollziehbare Kosten für jeden Nutzer des Wärmenetzes aufzeigen. Diese Angaben ermöglichen jedem Interessenten
eine je eigene Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen, um eine zukunftsweisende Entscheidung zu fällen. (Fortsetzung folgt)


Ausgabedatum: Freitag, 24. Februar 2022


Schritte zum Klimaschutz in Tamm


Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist die globale Klimakrise. Um entsprechende Risiken zu minimieren bedarf es entschlossener Anstrengungen
auf allen Ebenen. Aus jüngster Vergangenheit wissen wir, dass wir in Deutschland von Unwetterkatastrophen nicht verschont werden, siehe Ahrtal.
Die Temperatursteigerungen erreichen überall neue Spitzenwerte, Extremwetterereignisse nehmen zu. Es ist offenkundig, dass rasch und engagiert gehandelt
werden muss. Ursachen, die zu dieser Klimasituation geführt haben, sind im Wesentlichen auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen.
Diesen Tatsachen entgegen zu wirken muss Grundlage des Handelns, sowohl im persönlichen Bereich als auch auf kommunaler Ebene, sein. Auch dann,
wenn Vorgehensweisen auf diesem Hintergrund zu erheblichen Anstrengungen führen, liebgewordenes in Abrede stellen und ein Mitwirken auf vielen Ebenen voraussetzt.
Auf kommunaler Ebene hat sich Tamm diesen notwendigen und daraus resultierenden Aufgaben gestellt, auch dann, wenn Klimafreundlichkeit nicht gleichzeitig
uneingeschränkt verbraucherfreundlich sein kann.

Vorgaben hierzu wurden bereits seit Jahren auf EU-, Bundes- und Landesebene erstellt, die mehr und mehr umgesetzt werden müssen.
Das im Juli 2013 in Kraft getretene Klimaschutzgesetz wurde im Jahr 2020 erstmalig umfassend weiterentwickelt. Im Herbst 2021 hat der Landtag eine weitere Novelle
verabschiedet.
Zentrales Element des Klimaschutzgesetzes sind die Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2040, sie geben die Klimapolitik des Landes vor. Zu den konkreten
Maßnahmen dieses Gesetzes zählen insbesondere die kommunale Wärmeplanung und die entsprechende Umsetzung. Weitere einschneidende Pflichten sind
die Installation von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung:

° beim Neubau von Nichtwohngebäuden (ab 1.Januar 2022)
° beim Neubau von Wohngebäuden (ab 1. Mai 2022)
° bei einer grundlegenden Dachsanierung eines Gebäudes (ab 1.Januar 2023)
° beim Neubau von Parkplätzen mit mehr als 35 Stellplätzen (ab 1.Januar 2022)

Die klaren Vorgaben dieses Gesetzes basieren auf der Tatsache, dass der Treibhausgasausstoß des Landes im Vergleich zu den Gesamtemissionen der
Jahre 1990 bis 2030 um 65% gesenkt werden soll. Bis 2040 soll eine Klimaneutralität erreicht sein - eine beachtliche und ehrgeizige Vorgabe!
Dieser globalen Problematik bzw. den landesweiten Vorgaben kann sich niemand und auch keine Kommune entziehen. Trotz der immer noch herrschenden Pandemie,
die viele Vorhaben der Kommune erschwert und gebremst hat, hat sich Tamm in intensiver Zusammenarbeit mit der LEA in den vergangenen Monaten mit Vehemenz
dazu entschlossen, 2 Wärmenetze auf den Weg zu bringen. Damit wird ein entscheidender Beitrag zur vorgenannten Thematik geleistet. (Fortsetzung folgt)